Im ersten Teil “Trefferliste – welche Plätze werden geklickt” habe ich ja die Studien zusammengetragen, die das User-Verhalten auf den Trefferseiten von Google (und anderen Suchmaschinen) vor der Erweiterung der Trefferanzeige mit Bildern, Videos, News oder ähnlichem beleuchtet haben. Jetzt interessiert mich, wie sich das Klickverhalten und Aufmerksamkeitsverteilung interessiert, wenn die Trefferlisten aus unterschiedlichen Content-Typen (“blended serch” oder bei Google “Universal search” ) besteht. Viele Untersuchungen gibt es nicht – aber einiges kommt dann doch zusammen:
OTO Insights “Implications of user engagement with search engine Result pages” (Mai 2009)
Bei dieser Untersuchung wurde das Eye-Tracking mit biophysikalischen Daten und einem Fragebogen zur Einschätzung von Emotionen kombiniert, um die Voraussetzungen für erfolgreiches SEM besser fassen zu können. Eine wichtige Fragestellung dabei war, wie sich die Neuerungen der SERP durch die Universal Search auf Aufmerksamkeit und Klickverhalten auswirken. Mit nur 17 Teilnehmern hat diese Studie die übliche Schwäche – allerdings wurden die Teilnehmer repräsentativ ausgewählt.
Dabei zeigte sich, dass bei Trefferlisten mit eingeblendeten Videos und Bildern, die User sich vor allem den oberen Bereich der Seite anschauen. Nur sehr vereinzelt gehen Blicke nach unten. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass Videos und Bilder viel stärker emotional wirken als Textausschnitte – und so die User davon abhalten, sich weiter umzusehen.

Bilder bilden für die Aufmerksamkeit eine Art Barriere nach unten.
Enquiro Eye Tracking on Universal and Personalized Search (2007)
Die Studienleiter von Enquiro haben ja das Goldene Google Dreieck erfunden – und Gord Hotchkiss wollte wissen, ob es mit Universal Search weiterhin besteht oder ob eingeblendete Bilder hier das Scannen der Seite verändern.
Das Ergebnis: Bilder in den SERPs haben sehr großen Ausschlag auf den Verlauf des Blickes. Ausgangspunkt ist nicht mehr die linke obere Ecke, sondern das Bild, das sehr schnell anvisiert wird. Von hier aus wird die Seite in einer E-ähnlichen Form erkundet.

Vom Bild aus, wird die Seite in E-Form gescannt.
Das Bild bildet dabei eine Art Aufmerksamkeits-Zaun, der den Weg nach unten abschirmt und so dem oberen Teil der Seite mehr Bedeutung gibt. Doch Hotchkiss bleibt bei der Interpretation der Ergebnisse eher zurückhaltend und bemerkt, dass die Trefferliste jetzt eher eine dynamische Umgebung für den User wird. Weder das Goldene Dreieck noch das E werden sich durchsetzten, vielmehr wird sicher der User verhalten, wie beim Beefenpflücken – je nach Aufbau der Trefferseite.
iProspect Blended Search Results Study (April 2008)
Zusammen mit Jupiter Research hat das SEM-Beratungsunternehmen iProspect eine Befragung zum Thema Suchverhalten durchgeführt. Rund 2.400 User wurden online befragt (die Befragten wurden anhand demographischer Kriterien ausgewählt und sollen bezüglich US-Usern repräsentativ sein). Man wollte herausfinden, ob die Einblendung unterschiedlicher Treffer-Kategorien auf das Klickverhalten Einfluss hat. Dabei hat man die Trefferlisten der drei großen Suchmaschinen in den USA berücksichtigt: Google, Yahoo! und MSN.
Das erste Ergebnis: 68% der User klicken nur Ergebnisse auf der ersten Seite an, 92% beschränken sich auf die ersten drei Seiten. Interessant dabei ist, dass die Konzentration auf die erste Seite seit 2002 um fast 10 Prozentpunkte gestiegen ist. Wenn sie das Gesuchte nicht auf der ersten Seite finden, ändern 49% die Suchstrategie oder wechseln die Suchmaschine.
Das zweite Ergebnis: Die Ergebnisse der speziellen Kategorien werden angeklickt – vor allem News und Bilder.

Die Frage: Welchen Content-Typ haben Sie in den letzten 6 Monaten bei einer normalen Suche angeklickt?
Studie von usability.de “Goodbye Golden Triangle” (September 2009)
Das ist wohl die aufschlussreichste Studie (@shopzweinull: Danke für den Hinweis!) für die Aufmerksamkeitsverteilung bei Google-SERPs: Nach Einführung der Universal Search hat usability.de, eine Agentur für Usabiltiy und Testing, eine Studie durchgeführt. Im Usabilty-Labor wurden die Augenbewegungen von 30 Probanden beobachtet, um festzustellen, welchen Einfluss Universal Search auf das Leseverhalten hat. Die wichtigsten Ergebnisse:
- Das Goldene Dreieck exisitiert nicht mehr, vielmehr werden die Resultate unter den Bildern mit hoher Aufmerksamkeit betrachtet.
- Das gleiche gilt für die Newszeile – die News-Ergebnisse werden zwar übersprungen, aber die Ergebnisse darunter erhalten etwas mehr Aufmerksamkeit.
- Insgesamt haben sich neue prominente Stellen gebildet. Platz 7 oder 8 hat an Bedeutung gewonnen.
Das Fazit dieser Studien – vor allem die eingebundenen Bilder ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und lenken den Blick eher auf den oberen Teil der Seite. Doch Eye-Tracking-Beobachtungen sind – wie einige ältere Studien gezeigt haben – nicht direkt auf das Klickverhalten übertragbar.
Hier schafft eine Neuerung bei den Google Webmaster-Tools neues Analyse-Potential: Google liefert genauere Daten für die Suchanfragen – und schon gibt es ein paar aktuelle Daten für die Klickraten auf einzelnen Positionen, z.B. hier oder hier. Das sind nur Stichproben – und ob Universal Search Ergebnisse eingeblendet waren oder nicht – kann aus den Daten wohl nicht herausgefiltert werden.
Vielleicht kann man sich da wirklich zusammentun und eine kleine Befragung oder eine Art von Studie fahren?
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