Heute wird’s mal ein wenig grundsätzlicher – aber ich finde, nur wenn man sich über größere Zusammenhänge klar ist, kann man in der Situation die richtige Maßnahme ergreifen. Deswegen versuche ich heute mal SEO weg von der Google-Fixierung in einen größeren Kontext zu verstehen.
Nein, es geht nicht um Konkurrenz-Suchmaschinen, sondern um die grundsätzliche Fragen:
- Wie kam der User an die Infos/ auf die Websites, die er braucht?
- Wie kommt der User an die Infos/ auf die Websites, die er braucht?
- Wie wird der User an die Infos/ auf die Websites kommen, die er braucht?
Dazu hat sich Jeff Jarvis, Journalist und Online-Experte, in seinem Blog Buzzmachine ein paar sehr interessante Gedanken gemacht.

Die Bereiche des Findens
Marken
Zu Beginn des Internets griffen die Leser auf Bewährtes zurück. Wer sich informieren wollte, schaute auf spiegel.de. Marken waren erfolgreich, weil sie die Verbreitung und den Zugang zu Informationen kontrollierten. Einweg-Info, Massenware und Flüchtigkeit sind nach Jarvis die Kennzeichen dieser Art der Informationsdistribution.
Suche/Suchmaschinen
Das aktuelle Arbeitsfeld der Suchmaschinenoptimierer. Nicht mehr die Versorgung mit Infos spielt eine Rolle, sondern die Nachfrage. Neu ist, dass der User die Vorgabe gibt, nicht mehr der Content-Produzent – neu ist auch die neue Vermittlungsstelle: Suchmaschinen.
Aggregatoren
Sehr aktuelle, “verderbliche” Informationen, wie etwa Nachrichten, sind die Schwachstellen bei Suchmaschinen. Denn inhaltliche Relevanz wird höher bewertet als (Tages-)Aktualität – das ist auch bei den meisten Themen die richtige Strategie – nicht aber bei eher kurzlebigen Themen.
Hier springen die Aggregatoren ein, wie z.B. Goolge News oder Rivva. Hier kann der User sein Themenfeld aussuchen und über die neusten Entwicklungen auf dem Laufenden halten.
Links von Social Media
Die Linkempfehlungen von Experten und Freunden auf Twitter oder Facebook nehmen an Bedeutung zu: Facebook hat sich einer Untersuchung von Hitwise zu Folge – auf Platz 4 der Websites vorgearbeitet, von denen die User auf die Nachrichtenseiten kommen. Die User, die auf diese Weise an die Infos kommen, die sie interessieren, nutzen sicher weniger häufig Suchmaschinen.
Algorithmus-Autorität
Ein sperriges Wort – aber ein interessantes Phänomen, dem Internet-Spezialist Clay Shirky diesen Namen gegeben hat. Es geht um Glaubwürdigkeit im Netz. Shirky stellt fest, dass bisher Institutionen die Autorität gebildet haben (“Das steht im Brockhaus”), sich jetzt aber Autoritätsbildung durch die Masses durchsetzt, d.h. durch die Prüfung und Bewertung vieler (wie etwa bei Wikipedia).
Genau das soll der Google PageRank bewerten, denn User sind immer auf der Suche nach glaubwürdigen Informationen.
Vorausschauende Content-Erstellung
Diese Art von Content-Produktion ist für den Journalisten Jarvis noch echte Zukunftsmusik – aber in der Suchmaschinenoptimierung in Teilen schon Realität. Content wird nach einer Analyse der User-Bedürfnisse produziert. Was suchen die User? Welche Artikel auf der Seite werden besonders häufig angeklickt? Online-Userbefragung: Die Wege, die Wünsche der User zu erfassen sind unterschiedlich, doch ohne die Analyse funktioniert keine SEO-Maßnahme.
SEO in größerem Kontext erweitert die Palette der SEO-Maßnahmen
Die “Bereiche des Findens” wie sie Jeff Jarvis formuliert hat, sind sicher nicht umstritten – aber sie machen deutlich, warum eine Google-Fixierung für die Auffindbarkeit der eigenen Website sehr einschränkend sein kann:
Suchmaschinen waren, sind und werden nicht die einzigen Wege sein, wie die User zu ihren Informationen kommen. Sie sind im Augenblick die großen Tore – es gibt aber keine Garantie, dass das so bleibt. Und die anderen Zugangswege zu prüfen und dafür auch Strategien zu entwickeln, kann auch Ideen für das “echte” SEO bringen.
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